Motörhead Biografie

Wenn der Hard-Rocker Lemmy in einer Talkshow auftrat, wurde der Auftritt immer ein Spektakel. Denn der Mann, dessen Gesicht sich in die Reihe der großen hässlich, aber genialen Typen reiht, kam selten ohne eine Pulle Whiskey, die er dann auch dem Moderator als Glas zum Anstoßen aufzwang, um diese Stunde des Talks annehmbar hinter sich zu bringen. Natürlich schien der Stoff an ihm kaum zu wirken, da die Flasche „Jack Daniel’s“ möglicherweise eine Art Grundnahrungsmittel bei der Band „Motörhead“ ist, dessen Band-Mitglieder sowieso immer gut für Schlagzeilen sind, so u. a. der Vorwurf, Phil Campbell hätte Sex mit Tieren.
 Hinter dem rustikalen Kerl Lemmy steckte einst ein ganz einfacher Pfarrersohn, der eigentlich Ian Fraiser Kilmister hieß, im Stadtteil Stoke-on-Trend in England geboren wurde und dessen Vater nicht nur dem Glauben, sondern auch der eigenen Familie abschwor, indem er sie verließ. Das brachte den Jungen dazu, sich selbst die Griffe auf der Gitarre beizubringen und sich in der Musikszene herumzutreiben. Der Spitzname „Lemmy“ entstand wahrscheinlich bei Auftritten mit Jimi Hendrix, war die Bezeichnung für einen Menschen, der ständig kein Geld in der Tasche hatte und andere um dieses anpumpte.
 Das, was im Band-Namen „Motörhead“ mitschwingt, die Bezeichnung für die Droge „Speed“, auch Amphetamine genannt, solche Drogen, die der Schriftsteller David Foster-Wallace in seinem Buch „Unendlicher Spaß“ ausdauernd beschrieben hat, bevor er sich dann schließlich erhängte, wurde auch Lemmy zum Verhängnis, der neben dem Bass- und Gitarrespielen jedweden Rausches nicht abgeneigt war, die Hauptsache blieb, dass es ordentlich „knallte“. So wurde er, nachdem er auf Tour mit der Gruppe „Hawkwind“ ging, wegen Drogenbesitz in Kanada verhaftet.
Das kostete ihn das Engagement in der Band, die zwar Kaution stellte, ihn aber nach dem Auftritt feuerte.
 Zurück in England war Lemmy nun gezwungen, nach neuen Möglichkeiten zu suchen und sagte sich, dass es auch ganz nett wäre, eine eigene Band zu gründen. Es war das Jahr 1975, die Zeiten waren relativ ruhig. Er holte sich den Gitarristen Larry Wallis, dazu den Schlagzeuger Lucas Fox, und gemeinsam nannten sie sich „Bastard“, um einfach einmal alles ordentlich aufzumischen.
 Der rettende Hinweis eines Managers, dass der Band-Name den Erfolg erheblich bremsen würde, führte dazu, dass Lemmy einen Songtitel benutzte, den er noch für die letzte Platte der Gruppe „Hawkwind“ geschrieben hatte. „Motörhead“ war geboren und drückte durch Titel und Musik bereits jene Richtung aus, die später zu „Punk“ werden sollte.
 Natürlich war „Motörhead“ nie eine „Punk“-Band, sondern eine Mischung aus „Hard Rock“, „Punk“ und „Blues“. Bärtige Typen eben, die auf der Bühne die Sau rauslassen wollten, die mittels dem E-Bass die Rhythmusgitarre ersetzten, was später Bands wie „AC/DC“ übernahmen. So war „Motörhead“ nicht nur ein Vorreiter der „Punk“-Richtung, sondern auch für „Heavy Metal“. Als Platte aber wurde das „Zeug“ damals noch strikt abgelehnt, weshalb Fox und Wallis die Band auch schnell wieder verließen. Diese ersetzten der Gitarrist „Fast“ Eddie Clarke und, am Schlagzeug, Phil „Philthy Animal“ Tayler.
 Und tatsächlich schien die neue Besetzung auch neue Ideen mit sich zu bringen. Die Platte „Bomber“ schlug ein wie eine Bombe, sie erhielten Engagements als Vorgruppe, veröffentlichten ein weiteres Album, das gleichfalls in den Charts aufrückte. Die Bühnenshow blieb ein Fest der freien Emotionen samt feuchtfröhlichen Gelagen danach. Sex, Drugs and Rock´n´Roll wurde durch Band und Publikum ins Vollkommene gelebt. Mit der Musik verband sich nicht nur das Gefühl für Rockmusik, sondern Teil von ihr wurde auch die gesamte Biker-Szene, die in ihren Partys oftmals über das Saufen hinaus große Schlägereien entfachten, bei einer von denen sich Tayler fast den Hals brach.
 Auch in Amerika fasste „Motörhead“ schnell Fuß, trat mit Ozzy Osbourne auf, gleichfalls in Europa, dort mit Gruppen wie „Manowar“, „Megadeth“ oder „Exciter“.
In den achtziger Jahren wechselten die Band-Mitglieder erneut. Tayler verließ die Gruppe, dazu kamen Phil Campbell, Pete Gill von „Saxon“ und Michael Burston. Jedes Live-Album wurde ein Erfolg, die Auftritte ein Desaster und Skandal. Verschiedene Songs wurden für den Soundtrack für „Eat The Rich“ genutzt, einem Film, in dem Lemmy sich als Schauspieler übte.
 Und so ging es im Grunde immer weiter. „Motörhead“ blieb dem eigenen Image treu. Die einstigen Amateur-Rocker wurden zu Alt-Rockern, die keinesfalls an Beliebtheit, Skandalsucht und Kraft einbüßten. Viele Platten waren auch mit Humor gewürzt, was nicht nur die Fans begeisterte.
 Alleine bei Lemmy machte sich das wüste Leben allmählich bemerkbar. Herzprobleme und Diabetes führten dazu, dass der unverwüstliche Rocker eingestand, dass er das Saufen und den Nikotinkonsum erheblich einschränken müsse. „Wenn nicht Whiskey, dann eben Wein“, sagte sich die Rampensau, eine Schmach für den Rocker, die ihm aber vielleicht dann doch zu einer besseren Gesundheit verhilft. Aber das Glück war ihm ja eigentlich schon immer hold, nicht umsonst wurde er am Heiligabend geboren.

Motöhead-Inferno

5/5

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